Der politische Aschermittwoch der Hattersheimer Grünen hat sich längst als feste Größe im lokalen Veranstaltungskalender etabliert. Entsprechend voll besetzt war auch beim 27. Mal der Posthofkeller, der als Veranstaltungsort kaum noch beworben werden muss. Der neue Pächter des Posthofkellers fügte sich dabei nahtlos in die Tradition ein und übernahm – wie bereits seine Vorgänger – zuverlässig die Bewirtung der Gäste.
Durch den Abend führte erneut Stefan Hohmann, der bereits im Vorjahr mit seiner souveränen Moderation überzeugt hatte. Seit einem Jahr ist Hohmann Mitglied des Grünen-Vorstands in Hattersheim und kandidiert in diesem Jahr erstmals auf einem aussichtsreichen Platz für die Stadtverordnetenversammlung. Mit pointierten Überleitungen, gutem Gespür für Timing und einer angenehmen Prise Humor hielt er das abwechslungsreiche Programm gekonnt zusammen.
Für die politischen Höhepunkte sorgten unter anderem Mathias Wagner, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Hessischen Landtag, sowie Dr. Anna Lührmann, Landesvorsitzende der hessischen Grünen und Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises.
Lührmann nahm die aktuelle Bundespolitik ins Visier, ordnete Entwicklungen ein und machte deutlich, dass in der Ampelkoalition wohl nicht alles schlecht war – „abgesehen vielleicht von der FDP“. Scharfe Kritik übte sie an der Wirtschaftsministerin, die mit ihrer „Rolle rückwärts“ die Zukunft vertue: Trotz eines „Sondervermögens“ von 500 Milliarden Euro werde kaum in Zukunftsprojekte investiert, sondern vielmehr parteipolitische Wünsche – vor allem aus Bayern – erfüllt. Bereits 2012 habe dieselbe Ministerin als Staatssekretärin maßgeblich zum Niedergang der deutschen Solarindustrie beigetragen und führe die gleiche Strategie nun fort.
Auch internationale Themen fanden scharfe Worte: Lührmann verurteilte die Machtpolitik von Trump und Putin, die ihren Einfluss schamlos ausdehnten. Eine Partei in Deutschland, die solches Verhalten gutheiße und ähnliches anstrebe, sei „keinesfalls eine Alternative“.
Eine Premiere feierte in diesem Jahr Daniela Gebert, die vielen von internen Veranstaltungen bekannt ist. Nachdem sie schon bei Weihnachtsfeiern mit ihren humorvollen Beiträgen überzeugte, trat sie nun erstmals vor größerem Publikum auf. Mit scharfem Blick, Witz und klaren Worten beleuchtete sie die Hattersheimer Kommunalpolitik, sorgte sowohl für herzhaftes Lachen als auch für nachdenkliche Momente – und sparte auch nicht an Kritik am Bürgermeister: „Grüne Ideen, die vor wenigen Jahren noch blödsinnig oder unmöglich waren, kann man durchaus nach einer kurzen Weile als eigne verkaufen – und zwar als sehr geile.“
Auch andere Parteien bekamen ihr Fett ab – von den Freien Wählern, die sich in Hattersheim aufgelöst haben und nur der Fraktionsvorsitzende auf FDP-Plakaten wiederzufinden ist: „Und frei nach Erich Kästner – mein lieber Scholli, denk ich: jetzt haben wir schon nen doppelten Olli.“, bis zu den Linken, die im Kreistag vor allem durch besonders lange Reden auffallen: „Doch ist es denn nicht wunderschön, direkt von der Sitzung zum Frühstück zu gehn?“
Mathias Wagner spannte in seiner Rede den Bogen von der Landespolitik bis zu lokalen Herausforderungen. Mit klaren Botschaften und der für den politischen Aschermittwoch typischen Zuspitzung nahm er die Landesregierung ins Visier: „Nach dem von Merz ausgerufenen „Sommer der Entscheidungen“ und dem „Herbst der Reformen“, die beide mangels Taten ausgefallen seien, habe Ministerpräsident Boris Rhein nun das „Jahr der Chancen“ verkündet“ – während er gleichzeitig Chancen wie die Wallauer Spange, die Pendlerinnen und Pendlern im Rhein-Main-Gebiet echte Verbesserungen brächte, ungenutzt lasse. Auch der Mangel an verlässlichem Unterricht und die Forderung nach Stellenabbau in Ministerien kommentierte Wagner mit spitzer Ironie: „Wer hat denn in den vergangenen 27 Jahren in Hessen regiert und das Personal in den Ministerien verdreifacht?“
Den krönenden Abschluss des Abends gestaltete erneut Uli Schuster. In seiner Rolle als „Grüner Protokoller“ nahm er die Bundes- und Weltpolitik gewohnt treffsicher aufs Korn, verband aktuelle Ereignisse mit feinsinnigem Spott und traf damit genau den Nerv des Publikums. Niemand blieb verschont – von Spahn über Dobrindt bis Klöckner. Auf die Frage, „Was grenzt an Dummheit?“, antwortete Schuster trocken: „Mexiko und Kanada“ – und erntete dafür anhaltenden Applaus. Sein Beitrag setzte den pointierten und unterhaltsamen Schlusspunkt des Abends.
Auch kulinarisch ließ der politische Aschermittwoch keine Wünsche offen: Das reichhaltige Büffet bot neben den traditionellen Aschermittwochsheringen eine große Auswahl an vegetarischen und veganen Gerichten – ein kulinarisches Statement für den Anspruch der Grünen, Genuss und Nachhaltigkeit selbstverständlich zu verbinden.
Der 27. Politische Aschermittwoch der Grünen in Hattersheim zeigte einmal mehr, warum die Veranstaltung seit Jahren so großen Zuspruch erfährt: klare politische Positionen, starke lokale Verankerung, prominente Gäste und eine gute Portion Humor – ein gelungenes Zusammenspiel, das Lust auf die kommenden Debatten macht.




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