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Musikvergnügen unter freiem Himmel

Einmal mehr ein voller Erfolg: Die 43. Auflage des Flörsheimer Open-Air-Festivals unter der Mainbrücke

Friedliche Idylle bei Live-Musik und schönstem Sommerwetter: So startete das 43. Flörsheimer Open Air am Freitag, 20. Juli.
(Fotos: L. Engel)

FLÖRSHEIM (eng) – Seit mehr als vier Jahrzehnten feiern Rockfans in der Mainstadt Flörsheim nun schon ein sommerliches, musikalisches Großereignis, und dies von Beginn an mit freiem Eintritt und ohne eigene Werbung – zum Verpassen zu günstig! Das Flörsheimer Open Air (FOA) zeigte sich einmal mehr als ein generationsübergreifendes Event. Selbstbestimmt und in eigener Initiative bleibt das FOA dabei unabhängig, nicht-kommerziell und offen für Alle.

Auch für die diesjährige Veranstaltung am Wochenende vom 20. bis 22. Juli waren den Ausrichtern des Vereins Old Company die Ideen nicht ausgegangen. Drei bestens organisierte und unterhaltsame Tage mit abwechslungsreichen Bands auf zwei Bühnen verwandelten die Wiesen an der Mainbrücke bei herrlichstem Sommerwetter in ein Festivalgelände. Unterstützt durch die Schallwirkung der Mainbrücke, führte der laute Beat der Rockmusik unmittelbar auf den richtigen Weg und mitten ins Geschehen.

Diverse Verkaufsstände vermittelten das Flair eines Markttreibens. An den liebevoll gestalteten Essensständen herrschte reger Andrang, so dass die Helfer alle Hände voll zu tun hatten. Vielfältig war dort das Angebot: Kaffee, verschiedene Kuchen, Crêpes, Popcorn, Falafel, Nudeln, Currywurst und Pommes. Der Duft verführte und die Auswahl fiel schwer, für jeden Geschmack war etwas dabei. Für den Essens- und Getränkebereich waren Bons zu erwerben, damit das Thekenpersonal nicht mit Wechselgeld arbeiten musste. Eine Kinderecke, ein Café-Zelt, Tischfußball, Computerspiele und lange Reihen von Büchern und CDs luden zum Stöbern und Schlendern ein. Kleider, Hüte und Schmuck – an den bunten Ständen konnte man sich ganz neu einkleiden.

Open-Air vermittelt Gefühl von Freiheit

Im Infozelt hingen blaue Festival-T-Shirts in allen Größen an der Stange, Festival-Bändchen, Poster, Bücher, Buttons, Aufkleber, Schlüsselbänder, Fächer und Kulturbeutel, alles was der Open Air-Fan so braucht, konnte man hier kaufen. Selbst wer Bedarf an Mückenspray hatte, wurde von den beiden Damen im Infozelt gerne versorgt.

Bereits am Freitagabend herrschte ein buntes Treiben, nicht nur direkt vor den beiden Bühnen, sondern auch im Hintergrund auf dem Zeltplatz. Festivalbesucher hatten es sich hier schon richtig gemütlich gemacht. Das Gefühl von Freiheit vor dem eigenen Wohnwagen oder Zelt, auf Campingstühlen mit Freunden und anderen Musikinteressierten abhängen und die Wärme des Abends genießen. Das ist Open Air Feeling.

Wer die Absicht hatte, sich auf der Wiese vor der großen Bühne für längere Zeit niederzulassen, hatte sich von zu Hause eine Decke mitgebracht. Nicht nur Jugendliche tummelten sich auf den Wiesen am Mainufer. Auch die ‚ältere Generation‘ genoss den warmen Sommerabend und das Getümmel unter freiem Himmel. Oder sie begleiteten ihren noch nicht volljährigen, jugendlichen Nachwuchs. Hardcore-Rocker mit bunten Haaren, Tattoos und schwarzer Lederkleidung waren zum Open Air gekommen, um richtig abzurocken, genauso wie die vielen Besucher in ganz normaler, leichter Sommerkleidung. Manche hatten sogar ihr Outfit gerade erst an einem der vielen Stände gekauft und führten es stolz den Freunden vor. Radfahrer blieben oben auf der Mainbrücke stehen – schließlich bot sich von oben eine ganz andere Sicht auf das Geschehen.

Mit Beginn um 18.30 Uhr präsentierten sich am Freitag vier Bands auf der großen Bühne: Strings ‚N‘ Stories aus Marburg, Lizardmen aus Osnabrück, Cabba Cabba aus Fulda und Ripe & Ruin aus Hamburg.

Am zweiten Tag des Festivals gaben die Bands Mind Blowing, Retina Crude, The Rough Edges, Scream oft the Butterfly, Animal Bizarre, Riot in the Attic, Ease Up Ltd und Bastardo für die Musikbegeisterten ihr Bestes.

Amanda, eine der vielen Helfer und Helferinnen der Old Company, übte sich derweil im Backen von Crêpes. „Ich finde es einfach super, was aus diesem Open Air im Laufe der Zeit geworden ist. Vor vielen Jahren trat eine Band auf, mit einem Verstärker, dazu wurde ein Grill aufgestellt, das war’s. Und heute ist das ein Festival mit so vielen Besuchern, das aus Flörsheim nicht mehr wegzudenken ist.“

Die Organisatoren des Flörsheimer Open Air haben ein Herz für lokale Musiker. Bei der jährlichen Zusammenstellung des Bühnenprogramms versuchen die Veranstalter, jeweils Bands aus der Regi- on zu berücksichtigen. Für viele Musiker aus Flörsheim und Umgebung, die das Open Air als Zuschauer kennenlernten, ist es ein besonderes Etappenziel, einmal selbst im Farbenmeer der Scheinwerfer unter der Mainbrücke zu stehen. Neben der Förderung der regionalen Musikszene schaffen es die Ausrichter jedoch genauso regelmäßig, Bands aus ganz Deutschland zum rockigen Gastspiel an den Main zu holen.

In diesem Jahr fanden Musiker aus drei pulsierenden deutschen Großstädten den Weg auf die Flörsheimer Bühnen: Aus Köln kam die Band „Riot In The Attic“, was übersetzt ungefähr „Tumult in der Dachkammer“ bedeutet – mit ihrem feinsten, lauten Rock, in diesem Falle wohl eher Tumult, unter der Mainbrücke. Die Bands „Scream Of The Butterfly“ kamen aus Berlin und „Ripe & Ruin“ aus Hamburg angereist.

Dazu kam die Gruppe „TubaDiesel“, die sich selbst als ‚Mutanten der Volksmusik‘ bezeichnet. Eigene Songs und mal mehr oder weniger Bekanntes, gespielt in neuer und ungewohnter Weise mit dem ungewöhnlichen Instrumentarium Tuba, Akkordeon, Gitarre und Schlagzeug. Das Quartett machte vor nichts Halt. Ein äußerst tanzbarer, musikalischer Mix aus Reggae, Polka, Rock und Ska mit Balkananleihen und klassischen Elementen. Eigene und schon existierende Songs wurden abenteuerlich arrangiert und krass unterhaltsam dargeboten. Mutationen der Volksmusik eben. Ruhig sitzenbleiben war unmöglich. Alle Rhythmen waren vertreten – nur nicht die, die man erwartete. Schwer zu beschreiben, aber es ging auf der kleinen Bühne am Samstag gegen Abend tierisch ab und das Publikum ging begeistert mit. Mal was ganz Neues, und es rockte.

Nach dem jeweiligen Musikprogramm auf der großen Bühne wurde niemand nach Hause geschickt. Nachtschwärmer trafen sich im Anschluss an die Darbietung der letzten Band am Lagerfeuer der „Nachteule“, an der Mainuferböschung, unmittelbar neben der großen Bühne.

Flörsheimer Bands auf der Bühne

Zwei Heimspiele mit Flörsheimer Beteiligung folgten am Open Air-Sonntag, als um 13 Uhr die „Waikiki Boys“ und um 14 Uhr „NTSTRM“ die Wiese beschallten. NTSTRM ist eine fünfköpfige Band, die in der Vergangenheit unter anderem beim Ginsheimer Altrheinfest aufgetreten ist. Den Abschluss des Sonntagabends gestaltete die Band „Love Sees No Color“ aus Frankfurt mit Alternative, Punkrock und Pop.

Genauso abwechslungsreich wie die Herkunftsorte der Musiker waren deren musikalische Stilrichtungen. Die Auswahl reichte von Psychedelic, eine Art der Rockmusik mit ungewöhnlichen, neuartigen Klängen und dem experimentellen Umgang mit Songstrukturen über Ska, ein in den späten 1950er Jahren auf Jamaika entstandenes Musikgenre, und Reggae bis zu Stoner (Das Wort „Stoner Rock“ geht zurück auf den englischen Slang-Ausdruck „stoned“) und Hardrock.

Der Verein Old Company organisierte das diesjährige Festival bereits in der 43. Auflage. Neben der Musik legen die Ausrichter Wert auf abwechslungsreiche Verkaufsstände entlang der Wiese und eine Kinderecke für die jüngsten Besucher. Campen war bereits ab Donnerstag möglich. Auch der Campingplatz durfte ohne Gebühr benutzt werden. Die Einsatzkräfte des Malteser Hilfsdienstes waren mit ihren Fahrzeugen ständig vor Ort.

Gewisse Regeln gab es zu beachten, um den gelungenen Ablauf des Festivals zu gewährleisten: Die Gäste wurden gebeten, Essen und Getränke zu Hause zu lassen. Schließlich finanziert sich die Veranstaltung ausschließlich durch die verkauften Speisen und Getränke. Schon am Zugang zum Open Air-Gelände wurde darauf hingewiesen, dass dies kein Ort für Rassisten, Sexisten, Homophobe und Störenfriede sei. Mit Hinweisschildern wurde darum gebeten, keine Kippen auf dem Gelände zu verteilen, Hunde waren an der Leine zu führen. Und wie bereits im Vorjahr prangte am Geländer der Mainbrücke das Banner „Grenzenlose Solidarität“.

Rund 100 ehrenamtliche Helfer stemmten das Festival auf der Mainwiese südlich der Liebigstraße. So mancher eifrige Aktive opfert mehr als eine Woche Urlaub, um die komplette Veranstaltung – vom Aufbau bis zum Abbau – zu begleiten. Erste Absprachen, Vortreffen und vor allem die Musikauswahl liefen bereits seit dem vergangenen Jahr.

Einige Musikbegeisterte gründeten die Old Company 1979 und übernahmen das Flörsheimer Open Air von den Jungsozialisten. Das Festival hat mittlerweile mehrere unterschiedliche Schauplätze erlebt: Hinter der Stadthalle, auf der Wiese am Bootshaus, einmalig – wegen schlechten Wetters – in der Stadthalle und seit 1983 schließlich mit wachsendem Erfolg unter der Brücke am Mainufer. Insgesamt herrschte auch in diesem Jahr beim Flörsheimer Open Air eine ganz besondere, entspannte Atmosphäre, die sich von den Künstlern auf die Zuhörer übertrug. Einzigartig und mitreißend. Eines ist sicher: Nach dem Open Air ist vor dem Open Air!

 

 

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