Die gute alte Tradition des Richtfestes hat es in den heutigen Zeiten nicht leicht. Es wird üblicherweise gefeiert, wenn bei einem Neubau der hölzerne Dachstuhl fertiggestellt ist. Moderne Funktionsgebäude wie die künftige Wickerer Feuerwache kommen aber als Flachbauten ohne klassisches Schrägdach daher. Dennoch hielten die Wickerer Brandschützer an der Tradition fest: Am vergangenen Donnerstag versammelten sich die Aktiven der Wickerer wie der anderen Flörsheimer Feuerwehren in der künftigen Fahrzeughalle zu einem offiziellen Akt.
Es ist – für die Öffentlichkeit der wichtigste Punkt – ein Projekt, das bisher ganz nach Plan läuft, arbeitstechnisch wie finanziell. Am 21. Februar war Spatenstich, das Richtfest findet zum vorgesehenen Zeitpunkt statt – und es spricht aktuell nichts dagegen, dass alles genauso planmäßig weiterläuft. „Der Rohbau steht, wir können mit Zuversicht auf den weiteren Ausbau blicken“, sagte daher Christoph Häusler vom Stadtbauamt, welches das Projekt von städtischer Seite aus leitet und betreut.
Das könnte damit zu tun haben, dass so ein Feuerwehrhaus ein eher gut überschaubares Projekt ist: Viel Beton, große Glasflächen, zwei miteinander verbundene, aber klar getrennte Gebäudeteile für die vier Einsatzfahrzeuge und die Zweckräume. Abgesehen davon, dass mit der neuen Fahrzeughalle die rund 50 Wickerer Einsatzkräfte keine Bedenken mehr haben müssen, im Alarmfall mit den Wagen an dem im aktuellen Haus am Kreisel zu niedrigen Torrahmen hängenzubleiben, sind dann auch die Zeiten vorbei, in denen sich im Angesicht der Wagen umgezogen wird und auf eine Dusche in der Wache mangels Vorrichtungen verzichtet werden muss.
In genau einem Jahr, so die Aussichten, treffen sich alle zur Einweihung der Wache am Prälat-Müller-Weg wieder. Bürgermeister Bernd Blisch hob in seinem Grußwort hervor, dass so eine Feuerwehr für eine Kommune eine Bedeutung über das Feuerlöschen und Helfen hinaus hat. „Es ist ein Ort des Wickerer Vereinslebens“, betonte er. Das zeige sich darin, dass aktuell rund 660 Bürgerinnen und Bürger Mitglied im Förderverein sind. „Auch im Kinder- und Jugendbereich wird hier viel gemacht.“
Für Ortsvorsteher Dirk Graafen ist das alte Feuerwehrhaus ein Gebäude, mit dem er aufgewachsen ist. Im Laufe der Jahre habe sich dort äußerlich wenig verändert. „Es gab neue Fahrzeuge und Ausstattung, viele kleine Schritte der Verbesserung – aber der Neubau wird ein Riesensprung“, ist er überzeugt.
Bis der fertig gebaut ist, wird noch einiges an Lärm und Staub anfallen. Stadtbrandinspektor Markus Kaschel begrüßte die Abordnung der benachbarten DRK-Station und bereitete „die unmittelbaren Nachbarn“ auf eine fortgesetzte Belastung vor. Entstehen werde aber „ein Ort, der Sicherheit schafft – auf einem neuen Niveau“, versicherte er. Kaschel lobte die Zusammenarbeit mit Architekt Marc Jacobs, als Königsteiner Wehrführer ein Mann vom Fach, und dem städtischen Verantwortlichen Christoph Häusler. „Wir kommen immer zu guten Lösungen.“
Auch Kleinigkeiten wie die Außenbeleuchtung oder ein Notstromsystem würden die Sicherheit und Arbeitsbedingungen der Aktiven verbessern, machte Kaschel klar. Nicht nur für sie verbessert sich mit den Duschen die Reinigung nach Einsätzen, auch die Fahrzeuge können im Gegensatz zur aktuellen Situation künftig am Gerätehaus selbst gewaschen werden.
Der Stadtbrandinspektor ging auch auf das aktuell heiß diskutierte Thema ein: das neue Niveau der Bedrohung durch Vegationsbrände im Sommer. In den sechs Ferienwochen seien bei der Flörsheimer Feuerwehren 70 Einsatz-Anforderungen eingegangen, nicht nur wegen brennender Felder, „es gab mehrere LKW-Brände“. Die Vegetationsbrandbekämpfung werde eine immer größere Rolle spielen. Hier wies Kaschel auf das Problem hin, dass die Einsatzkleidung nicht geeignet sei für solche Aufgaben, „das führt zur Dehydration“. Auch mit dem schönen neuen Feuerwehrhaus werden eben nicht alle Themen und Probleme automatisch aus der Welt sein.
Nach den Redebeiträgen mussten erst einmal alle Feiergäste die Fahrzeughalle verlassen, um dem Richtspruch des Poliers zu lauschen. Die Wickerer Einsatzkräfte sorgten anschließend durch das Versorgen der Gäste mit Getränken und Snacks dafür, dass diese an den Sitzgarnituren noch eine Weile dablieben und sich beim Anblick der kahlen Betonwände ausmalen konnten, wie es wohl im fertig eingerichteten Haus einmal aussehen wird.



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