Schmissige Komödie mit Blick hinter die Fassade

Theaterstück „Rent-a-friend" begeisterte in der Hattersheimer Stadthalle

mpk

Wie eine Verwechslung zum Segen für eine zerrüttete Vater-Tochter-Beziehung werden kann, zeigte die Komödie "Rent-a-Friend" von Folke Braband am vergangenen Samstagabend in der gut gefüllten Hattersheimer Stadthalle.

Um ihrem augenscheinlich in jeder Hinsicht maximal erfolgreichen Vater "Big Daddy" (gespielt von Torsten Münchow) zu gefallen, bestellte die erfolgreiche, aber einsame Geschäftsfrau Sarah (Jantje Billker) bei der Agentur "Rent-a-Friend" einen "George Clooney"-Typ, der ihren angeblichen Verlobten mimen und "Big Daddy" (Torsten Münchow) entsprechend beeindrucken sollte.

Vor der Tür stand dann jedoch wider Erwarten mit Gabriel, genannt Gabi (Tommaso Cacciapuoti), ein "Typ Spaßvogel", der eigentlich bei einem Kindergeburtstag für Stimmung sorgen sollte. Aus Zeitnot und mangels Alternativen verfrachtete Sarah dann eben jenen Gabriel in die schmucke (und wenig passende) Hülle ihres imaginären Vorzeige-Lovers. Die Grundlage für allerlei Verwechslungen, Missverständnisse und brenzlige Situationen war damit gelegt.

Mit dem Auftauchen von "Big Daddy" und dessen Geliebter Juanita (Caroline Beil), einer ehemaligen Schönheitskönigin aus Lateinamerika, nahm die Komödie noch einmal deutlich an Fahrt auf. Juanita kommentierte alles mit kurzen spanischen Floskeln, einer anderen Sprache war sie nicht mächtig. "Big Daddy" trug allzu dick auf, und Gabriel musste nach den Vorgaben seiner Auftraggeberin Sarah stets mindestens gleichziehen. Ein erfolgreicher, verwitweter Schönheitschirurg sollte er sein, knapp 20 Jahre älter als Gabriel selbst und an der Uni von Chicago einst bestens befreundet mit Barack Obama - ein weltenbummelnder Tausendsassa eben.

Das ganze Szenario fing an zu eskalieren, als Sarah wegen eines beruflichen Termins plötzlich verschwinden musste. In feucht-fröhlicher Atmosphäre schilderte Gabriel das Ableben seiner angeblichen Ex-Frau bei einem Unfall mit einem LKW arg blumig, mehr und mehr nahmen die Emotionen Überhand.

Um das Ende des Stücks nicht allzu sehr zu spoliern sei nur gesagt: Nicht jeder ist tatsächlich das, was er vorgibt zu sein. Und meistens ist der tatsächliche Mensch hinter der Fassade viel sympathischer, nahbarer und einfach menschlicher als das Zerrbild, das er ansonsten vorgibt zu sein. Bei aller gelungener Komik verstand es das hervorragend aufgelegte Quartett an Darstellerinnen und Darstellern vorzüglich, auch diese ernste und lehrreiche Botschaft zu transportieren.

Nach etwa zwei Stunden fiel dann der Vorhang, und das Hattersheimer Publikum quittierte den vergnüglichen Theaterabend mit lang anhaltendem Applaus.

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