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„Funzelsitzung“ der Wilden Weiber

Stimmungsvolle Fastnachtssitzung mit Picknick-Charakter im Haus der Vereine

Als fröhliche „verruchte“ Damen begrüßten die Wilden Weiber Okriftel ihr Publikum in der „Spelunke zur alten Unke“ zu ersten Funzelsitzung im Haus der Vereine.
(Fotos: A. Kreusch)

 

HATTERSHEIM (ak) – Aus ihren zahlreichen Besuchen von Sitzungen anderer Fastnachtsvereine in der Region hatten die Wilden Weiber Okriftel (WWO) in diesem Jahr nicht nur wieder viele tolle Sitzungsbeiträge mit nach Okriftel gebracht, sie hatten auch eine neue Idee in Sachen Bewirtung und Verpflegung aufgegriffen und umgesetzt. Das Haus der Vereine war von ihnen zu einer schummrigen Spelunke dekoriert worden, in der sich neben vielen „verruchten Damen“ auf der Bühne auch zahlreiche Matrosen, Piraten, Zigeunerinnen und sonstige Gestalten aller Couleur im Publikum niedergelassen hatten – und zwar mit eigenem „Proviant“. 
 

Die Tische waren fast zu klein für die vielen Teller, Schalen und Schüsseln mit Käsespießchen, Salaten, Dips und allem, was man so nebenher gut essen kann. Sogar (elektrische) Kerzen hatten manche Frauen mitgebracht, um die richtige Stimmung zu erzeugen. Um es vorwegzunehmen: Die WWO haben mit diesem Konzept mal wieder „voll ins Schwarze getroffen“. „Wir haben nur Getränke angeboten, es gab keinen Caterer“, resümierte Mary Gutmann nach der Sitzung zufrieden, „und das kam sehr gut an.“ Dass bei dieser Art „Fastnachtspicknick mit Unterhaltung“ schon von Beginn an beste Stimmung im Saal herrschte, versteht sich fast von selbst. Häppchen zu sich zu nehmen und zum fetzigen Sound der „Spitzebube“ mitzuschunkeln schließt sich nämlich keineswegs aus.

Nach dem „Countdown“ öffnete sich dann der Vorhang zur „Spelunke zur alten Unke“, in der gleich die erste Attraktion zu sehen war: Ein waschechter, klassischer „Poledance“, der vorher im Haus der Vereine sicher noch nie zu sehen war – das Publikum war von der Körperbeherrschung von Ines Ullrich an der silbernen Stange sofort begeistert. Sitzungspräsidentin Daniela Heislitz fasste in fast ehrfürchtige Worte, was wohl die meisten Damen im Publikum dachten: „Ich kenne niemanden sonst, der so sportlich ist, und vor allem kenne ich keine, die sonst in dieses Kostüm passt!“.

Als „Opa wider Willen“ rollte danach der in der Fastnachtsszene gut bekannte Jürgen Wiesmann ein nostalgisches Kinderwagenmodell auf die Bühne. In einem von trockenem Humor nur so strotzenden Beitrag erklärte er, wie es einem Mann in seinem Alter geht, wenn er befürchten muss, „schon“ zum Opa gemacht zu werden. Das gipfelte in der Feststellung: „Ich bin doch noch so jung, heiß, attraktiv und adrett – und muss jetzt demnächst mit 'ner Oma ins Bett!“ Sein „typisch männliches Gejammer“ wurde von den „wilden Okrifteler Weibern“ mit viel Gelächter quittiert.

Zum elften Mal war Hans Greb, der Vorsitzende des Flörsheimer Carneval Vereins, bei den WWO zu Gast, und diesmal erzählte er eine „wahre Geschichte“, wie Daniela Heislitz versicherte. Er schilderte auf seine ganz spezielle „Hobbes“-Art die Ereignisse eines Ausflugs des Flörsheimer Fastnachtsstammtisches – dem auch Pfarrer Sascha Jung angehört – nach Rom und wie es dazu kam, dass auch der Papst jetzt eine Narrenkappe trägt.

Andi Heider war einigen im Publikum als „Amor auf Rollschuhen“ sicher noch gut in Erinnerung, als der er vor wenigen Jahren schon einmal in Okriftel zu Gast war. Diesmal kam er als „Gaukler“ und erzählte auch wieder mit dem gleichen, unschuldigen Blick, aber dennoch ziemlich frech von den Königstöchtern Agathe und Kunigunde, von der Unterhaltung einer Blondine mit dem „kleinen Drecksack auf seinem Knie“, von Folterknechten, die „75 und ein paar Zerquetschte“ in ihrem Keller haben sowie von den Abenteuern von Hase, Biber und Nilpferd am Baggersee. „Ich bin ein Gaukler und ich weine oft ein wenig – doch ich lache wie ein Kind, wenn die Frauen glücklich sind!“ Die Frauen auf der Funzelsitzung der WWO waren glücklich, ihm zuhören zu können, das machte ihr Gelächter und ihr Beifall deutlich.

Mit Spannung und Vorfreude wurde auch in diesem Jahr wieder Andy Ost auf der Bühne der WWO erwartet – und er enttäuschte keine der Damen, weder auf der Bühne, noch im Zuschauerraum. In 90 Sekunden „rechnete er mit seinen Eltern ab“, stellte fest, dass man über Trump ja jetzt keine Witze mehr mache, sondern direkt lache (fragte sich aber gleichzeitig, wie tief wohl die Löcher zur Befestigung des Trumpschen Toupets gebohrt worden seien) und wunderte sich darüber, dass für Erdogan alles, was schlecht ist, „nazi“ ist. „Wenn er mal schlecht indonesisch gegessen hat, ist das für ihn gleich 'Nazi Goreng'“, meint Andy Ost unter Beifall. 

Natürlich durften sich alle Zuhörerinnen auch wieder über seine wunderbar humorvollen Gesangsparodien freuen – etwa über den „Superhero“ Landwirtschaftsminister Schmidt, über den „Heiland“, der der SPD geboren wurde („der erste Mensch, der eine Drehtür zugeknallt hat“), er sang „No Lindner, no cry“ im Reggae-Rhythmus oder zu einer Melodie von Ed Sheeran „Jetzt geht alles fix, ich hab‘ nen Thermomix“. Gewürzt mit zungenbrecherischer Wortakrobatik brachte sein Vortrag das Haus der Vereine zum kochen, sogar Mädchengekreische war aus dem Publikum an einigen Stellen zu hören. 

Bestimmt haben sich viele darüber gefreut, von Mary Gutmann (sie hatte in der zweiten Hälfte Daniela Heislitz als Sitzungspräsidentin abgelöst) zu hören, dass die WWO Andy Ost mit seinem Solo-Programm nach Okriftel eingeladen haben, er wird am 8. Juni im Haus der Vereine wieder zu sehen und zu hören sein. „Da dürfen dann ausnahmsweise auch Männer mitgebracht werden“, kündigte Mary Gutmann an.

Zum ersten Mal auf der Bühne im Haus der Vereine stand Kättl Feierdaach. Die aus dem pfälzischen Speyer kommende ältere Dame im grauen Mantel und mit großer Brille schaffte es trotz der „Sprachbarriere“, mit ihrem hintergründigen und spitzbübischen Vortrag die Herzen des weiblichen Publikums zu erobern. Sie erzählte Kurioses von einer Reise mit ihrer Freundin Hannelore nach Spanien, von spanischen Männern und vom Besuch in einem Geschäft „mit so Gummisachen“, in welchem Hannelore „so einen Milchaufschäumer aus Edelstahl, der taugt aber nix“ und sie selbst ein paar tolle pinke Ohrringe als Mitbringsel gefunden haben. Nicht nur ihr Vortrag, sondern auch ihre köstliche Mimik löste so manchen Lachanfall bei den Zuhörerinnen aus.

Schon vor dem „Gaukler“ im mittelalterlichen Kostüm waren am letzten Freitag viele Männer in Strumpfhosen auf der Bühne zu sehen: Die „Bewegten Männer“, das Assenheimer Männerballett, erzählte tänzerisch die Geschichte von einem gelangweilten König, der einen „spanischen Adligen“ (der irgendwie entfernt an Michael Jackson erinnerte) und Robin Hood (der natürlich auch seinen pfundigen Freund Bruder Tuck mitgebracht hatte) zu einem Wettkampf um seinen größten Schatz aufrief. Mit beeindruckendem Temperament und Elan wurde dabei auf der Bühne vor einer Burgkulisse getanzt und gezaubert, auch wenn sich der Sieger am Ende seinen „Schatz“ vielleicht ein bisschen anders vorgestellt hatte. Bei der Zugabe der Männer tobte der Saal!

Auch die „Tugendbolde“ aus Langenhain hatten für ihren ersten Auftritt bei den Wilden Weibern ihre eigene Kulisse und sogar auch ihre eigene Technik dabei – sie entführten die Damen im Haus der Vereine mit einem „echten“ Schiff in die Welt der Wikinger aus „Skandinarrien“, allerdings brauchten sie auch als Nordmänner unbedingt Weck, Worscht und Woi als Proviant. Nur der Mann mit dem rosa Glitzerbart wollte lieber Prosecco… Mit ihnen machten die Närrinnen auf der Funzelsitzung singend das „Wikinger-Diplom“ und „große Wellen“, dabei hatten alle großen Spaß.

Die Atzmann Tornados, das 22 Mann starke, lächelnde Männerballett aus Heidenrod-Dickschied, imponierten auch in diesem Jahr als temperamentvolle Spanier wieder mit einer spektakulären Show, ihre Zugabe zur Melodie von „Eviva España“ brachte ihnen den „Ihr seid spitze!“-Ruf aus vielen weiblichen Kehlen ein.

Immer wieder gerne gesehen auf den Fastnachtsbühnen nicht nur in Hattersheim sind die Tanzgruppen des Gesangvereins Liederkranz-Eintracht aus Eddersheim. Zunächst zeigten die „Sugar Babies“ einen futuristisch beleuchteten Tanz in fantasievollen Spiegel-Kostümen im Weltall, dann hieß es „Ring frei“ für die wie immer sportlich topfitten und diesmal auch offenbar ziemlich schlagkräftigen „Candy Girls“.

Dass es auch in Okriftel tolle Tanzgruppen gibt, bewiesen zunächst die „Diamonds“ des Turnvereins Okriftel (TVO) als wunderbare „Paradiesvögel“. Die im letzten Jahr von fünf auf nun zwölf Mädels angewachsene Truppe zeigte nicht nur besonders schöne Masken, sie legten auch ein beeindruckend schnelles Tempo vor.

Ebenfalls vom TVO marschierten die Herren der Männertanzgruppe „Dancing Disaster“ als Skelette mit Zylinder und einem Sarg auf den Schultern ein – die Tänzer haben sich vorgenommen, ihrer Fastnachtslaufbahn nach 27-jährigem Bestehen der Gruppe ein Ende zu setzen. Welch ein Verlust das für die Hattersheimer Fastnacht allerdings ist, das wurde während ihrer nicht nur athletischen, sondern vor allem sehr humorvollen und mit Augenzwinkern vorgetragenen Nummer sehr deutlich. Mit einem „Best-of“ der Tanznummern aus vergangenen Jahren verabschiedeten sie sich von ihren Fans – bei den Wilden Weibern ernteten sie dafür viel Beifall und begeisterte Kreischchöre.

Bevor am Ende der Funzelsitzung Schlagersänger Patrick Himmel noch einmal mit Udo Jürgens- Songs für reichlich Stimmung sorgte, gab es für Daniela Heislitz noch eine große Überraschung: Ein Einhorn, eine Piratin, ein Cowboy und eine junge „Superfrau“ kamen zu ihr in die „Bühnenspelunke“ und verkündeten der Verdutzten WWO-Vorsitzenden vor aller Augen und Ohren aufgeregt: „Der Papa will dir was sagen!“ Nicht nur ihr, sondern auch einigen anderen Damen im Saal war die Rührung und Freude anzusehen, als ihr Sebastian dazu kam, ein Kissen und ein kleine Schachtel gereicht bekam und einen richtig schönen, altmodischen Heiratsantrag auf die Bühne legte. „Gott sei Dank hat sie ja gesagt!“, kommentierte Mary Gutmann danach – aber sicher hatte keiner daran geglaubt, dass da ein Risiko bestanden hat.

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