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„Wir kämpfen weiter“

40 Jahre BfU – Bürgerinitiative engagiert sich seit 1975 für Umweltschutz und Lebensqualität

Frank Wolf zog im Rahmen des Jubiläumstreffens der Eddersheimer „Bürgerinitiative für Umweltschutz“ angesichts der erzielten Erfolge durchaus zufrieden Bilanz.
(Foto: A. Noé)

EDDERSHEIM (noe) – „Wer hätte bei der Gründung der Bürgerinitiative im Jahre 1975 gedacht, dass es so lange notwendig ist, auf die Belastung durch Umweltverschmutzung und Fluglärm hinzuweisen?“, fragte Werner Schuster, Erster Vorsitzender der „Bürgerinitiative für Umweltschutz“ (BfU) Eddersheim in die Runde. Seiner Eröffnung des BfU-Jubiläumstreffens im Begegnungshaus Eddersheim folgten am Samstagabend, 5. September, rund 25 Zuhörer, darunter Bürgermeisterin Antje Köster, Grünen-Fraktionssprecher Winfried Pohl und FWG-Fraktionsvorsitzender Karl Heinz Spengler.

Der 70 Mitglieder starke Verein wurde vor 40 Jahren unter dem Eindruck der starken Belastungen durch die Caltex-Erdölraffinerie und aus Protest gegen die Errichtung einer von Caltex geplanten Gasölentschwefelungsanlage gegründet. Zugleich setzte sich die Bürgerinitiative auch für die Reduzierung des Fluglärms ein: es wurden Fluglärmmessungen vorgenommen und Beschwerde bei den zuständigen Stellen der FAG (heute Fraport) eingelegt, außerdem wurde der damalige Fluglärmschutzbeauftragte der Landesregierung kontaktiert. Seinerzeit habe es bereits geheißen, dass es wegen des Einsatzes modernerer Flugzeuge tendenziell leiser werde, erinnerte Schuster. „Das Versprechen gibt es immer noch, eingehalten wurde es nie“, stellte der BfU-Vorsitzende fest. „Wir kämpfen weiter“, kündigte er unter dem kräftigen Applaus der Zuhörer an.
Zufrieden, aber auch ein Stück weit ernüchtert blickte Frank Wolf auf das nunmehr vier Jahrzehnte währende Engagement der BfU zurück, das allzu oft an den Kampf gegen das vielköpfige Ungeheuer Hydra aus der griechischen Mythologie erinnere: „Fünf Köpfe werden abgeschlagen, sieben wachsen nach.“ Über allem, so Wolf, stehe angesichts dessen die Frage, ob sich der Einsatz gelohnt hat und ob es sinnvoll ist, weiterzumachen. „Die BfU ist in Eddersheim und weit darüber hinaus zu einer anerkannten und wichtigen Stimme herangewachsen“, lieferte er sogleich selbst die Antwort. „Unsere Erfolge können sich durchaus sehen lassen.“

Kein Mangel an Konflikten
Der erste große Erfolg und zugleich die erste Bewährungsprobe der noch jungen BfU sei der gemeinsam mit der Stadt Hattersheim geführte Kampf gegen die von Caltex geplante Gasölentschwefelungsanlage von 1975 bis 1980 gewesen. Damals sei die fünf Jahre später erfolgte Stilllegung der Caltex und langfristig auch das Ende der umweltzerstörenden Großchemie am Untermain eingeläutet worden. Auch die Errichtung einer Müllverbrennungsanlage im heutigen Naturschutzgebiet zwischen Eddersheim und Okriftel sowie der Bau einer Müllumladestation auf der Gemarkung Ende der 70er respektive Mitte der 80er Jahre sei dank des von der BfU organisierten massiven Bürgerprotestes verhindert worden. Auf erbitterten Widerstand aus Eddersheim stieß die Bahn bereits lange vor der im Frühjahr erfolgten – und nunmehr zurückgenommenen – Schließung der Fußgängerunterführung am Bahnhof. Vor 29 Jahren hatte die Bahn angekündigt, über das nördliche Ortsgebiet einen auf Stelzen geführten Abzweig der ICE-Schnellbahnstrecke Köln/Rhein-Main zu errichten. Daraus wurde, da sich die Eddersheimer entschieden zur Wehr setzten, nichts: 1995 gab die Bahn ihren Plan auf und baute die Schnellbahnstrecke ohne den besagten Abzweig – allerdings ohne Schallschutzwand, die man den Eddersheimern zugesagt habe.
Bis heute, so Wolf, sei für die BfU „der immense Fluglärm und der dauernde Ausbau des Frankfurter Flughafens“ ein Dauerthema: „Wir unterstützen aktuell die Anwälte der Stadt Hattersheim und die befreundeten Bürgerinitiativen bei den Klagen gegen den raumunverträglichen Ausbau des Frankfurter Flughafens. Wir haben große Recherchen zum Thema Vogelschlag- und Wirbelschleppengefahr durchgeführt.“ Einen Mangel an Konflikten habe es in den vergangenen 40 Jahren also nicht gegeben, stellte Wolf fest, der sich einerseits wünschte, dass auch in Zukunft das Engagement der BfU fortgesetzt werden kann. Andererseits hoffe er, „dass es kein 50. Jubiläum mehr zu geben braucht“, weil „bis dahin die Arbeit und die Probleme ausgegangen sind“.
Dem widersprach Bürgermeisterin Antje Köster, die ebenfalls Mitglied der BfU ist, mit entschiedenen und freundlichen Worten. Die Bürgerinitiative leiste durch ihren unermüdlichen Einsatz für Bürgerechte, Umweltschutz und Lebensqualität einen äußerst wichtigen, nicht mehr wegzudenkenden Beitrag, dessen Wirkung nicht auf den Stadtteil Eddersheim beschränkt sei. „Danke, dass es Sie gibt und danke, dass Sie kämpfen“, sagte die Bürgermeisterin, die speziell für ihren Vorredner Frank Wolf lobende Worte fand. Sie dankte ihm für die umfangreichen und gründlichen Recherchen, die fester Bestandteil der Klageverfahren gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens seien. Es sei, so Köster, bedauerlich, dass sich die Stadt angesichts der aktuellen Haushaltslage finanziell nicht stärker am Kampf gegen den Ausbau des Flughafens beteiligen könne. Was indes mit den Auflagen des Kommunalen Schutzschirmes zu vereinbaren sei, werde ermöglicht. Die Stadt Hattersheim werde etwa auf ihrer neuen Homepage dem Widerstand gegen die Belastung durch Flugverkehr Raum geben. „Sie bekommen unsere Unterstützung“, versprach die Bürgermeisterin.
Auch Winfried Pohl und Karl Heinz Spengler unterstrichen in ihren Grußworten das vorbildliche Engagement der Bürgerinitiative und erkannten unisono auch in Zukunft Handlungsbedarf. „Umweltschutz bleibt immer ein Thema“, betonte Grünen-Fraktionssprecher Winfried Pohl. Es sei – das gelte auch für die Politik – bedauerlich, dass sich die junge Generation nicht in dem eigentlich erforderlichen Maße einbringe. „Wir Alten haben die Idee, etwas zu bewegen, von dem unsere Kinder und Enkel profitieren“, sagte Pohl mit Blick auf das Engagement der Umweltschützer. Initiativen wie die BfU hätten die Aufmerksamkeit und den Einsatz junger Menschen verdient. Als kleines Präsent überreichte Pohl dem Ersten Vorsitzenden der BfU einen – selbstverständlich grün verpackten – hölzernen Mini-Hubschrauber mit Solar-Rotor.
„Sie haben gute Arbeit geleistet“, lobte der FWG-Fraktionsvorsitzende Karl Heinz Spengler, der zugleich Gründungsmitglied der BfU ist. Die erzielten Erfolge seien ein gutes Beispiel dafür, „wie wichtig es ist, zusammenzufinden, wenn es um den Kampf für eine gemeinsame Sache geht“. Der konstante Einsatz der BfU sei umso wertvoller, da er zugunsten aller Bürger geführt werde. Karl Heinz Spengler brachte seine Meinung, mit der er sicher nicht alleine dasteht – auf den Punkt: „40 Jahre sind noch nicht genug!“

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