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Was ältere Leute erzählen

„Aufgelesen“ von Dieter Press

Geschichtliches

über die Gemeinde Bischem

Etwa sechs Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges blühte die Wirtschaft wieder auf.

Auch in Bischofsheim war der Aufschwung in nahezu allen Bereichen spürbar. Arbeit und gute Verdienstmöglichkeiten gab’s genügend, so dass insbesondere die Bautätigkeit boomte und neue Geschäfte gegründet wurden. Die Menschen blickten wieder hoffnungsvoll in die Zukunft.


Katholische Kirche gebaut

Ja, es muss schon eine recht betriebsame und wirtschaftlich aufblühende Zeit in der Mitte der 1920er-Jahre gewesen sein. Für die Katholische Kirchengemeinde, die sich von 1891 bis 1902 mit einem kleinen Betsaal im Haus Wiesenecker, Untergasse 22, behelfen musste, war auch das in der Hochheimer Straße im Jahr 1902 erbaute Kirchlein viel zu klein geworden. Mit großen Opfern wurde dann Mitte der 20er-Jahre unter Pfarrer Lindenschmit eine neue, in ganz modernem Stil gehaltene Kirche erbaut. Architekt war der berühmte Kölner Dominikus Böhm. Sie erhielt im Oktober 1926 ihre Weihe und den Namen Christ-Königs-Kirche. Schon bald nach ihrer Weihe wurde die hiesige Kirche sogar vom damaligen Nuntius Parcelli, dem späteren Papst, einer Besichtigung unterzogen.


Grundwasser wurde zur Plage

Aber auch Sorgen hatten die Bischemer in diesen Zeiten des bereits in der vorigen Ausgabe des Lokal-Anzeigers beschriebenen Aufschwungs. Allenthalben wurde über das Grundwasser geschimpft und gestöhnt, das in den Kellern stand. Dieses Grundwasser, das im Jahr 1917 erstmals seit der 1880er-Jahre wieder in Erscheinung trat, war geradezu eine Plage für die Bevölkerung. Die Einwohner selbst und die Behörden waren einfach machtlos gegen dieses Übel. Sogar in der Gemarkung entstanden große Wassertümpel und von der Gutenbergschule bis zum Bahngelände bildete sich alljährlich ein mächtiger See, der seinem Namen „Fronsee“ alle Ehre machte. (Wie der Buchstabe „h“ in das Wort Frohnsee kam und auch weiterhin im Straßennamen steht, ist mir ein Rätsel. Gewiss hat einmal ein Gemeindeschreiber diesen Schreibfehler „verzapft“, der seither im Straßenverzeichnis und Kataster aufgeführt ist und nur schwerlich geändert werden könne – so wurde mir einmal von amtlicher Stelle mitgeteilt. Fronleichnam, Frondienst, Fronarbeit, Fronleichnamsprozession usw. schreibt man nun mal ohne „h“ – aber den Ämtern und Behörden ist’s scheinbar egal!?) Im Gebiet des Fronsees wurde damals eine Pumpanlage errichtet, die das Wasser dieses Sees in die Dohl pumpte. Am Grundwasserstand in den Hauskellern soll sich jedoch leider kaum etwas geändert haben. Erst Ende der 1920er-Jahre ging das Wasser dieses Sees von selbst zurück, um schließlich gänzlich zu verschwinden. Dadurch wurde auch die Pumpstation an der Gutenbergschule überflüssig. Ein alter hiesiger Bauer erzählte einmal – er wollte es von seinem Großvater erfahren haben –, dass alle 30 Jahre eine Grundwasser-Periode von etwa sieben bis zehn Jahren auftrete. Andere Bauern meinten jedoch, dass das Wasser durch das in jenen Jahren am Schönauer Hof erbaute Wasserwerk zurückgegangen sei.


Flammen loderten zum Himmel

Doch nicht nur von Wasser, sondern auch von Feuer wird berichtet. Da sprühten plötzlich an einem heißen Sommertag des Jahres 1927 – es war ein Sonntag – gegen Abend Funken im Bereich der ehemaligen S-Kurve. Die Kirchenglocken läuteten Sturm, die Feuerwehr kam angeflitzt, denn im Hof der Gaststätte „Krone“ brannte die Scheune. Mächtig sollen die Flammen gen Himmel gelodert sein und nur der eifrigen und umsichtigen Tätigkeit der Wehr war es zu verdanken, dass das altehrwürdige Gasthaus gerettet wurde. Wie der Brand entstanden ist, konnte nicht geklärt werden. „Unachtsamkeit eines Gastes“ wurde vermutet. Es dauerte nicht lange, bis eine neue Scheune wieder ihren Zweck erfüllte.  (Wird fortgesetzt!)

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